Annamirl Spies

Lage XI.

Hochverehrtes Publikum, liebe Freunde,

bei meinem ersten Heimaturlaub 2013 hat mir meine Mutter aus der „Passauer neuen Presse“ eine Seite raus gerissen: „Die zerbrechliche Kunst von Jingdezhen“ und als ich in Frankfurt ins Flugzeug stieg, fand ich in „Die Welt“ „In der Geburtsstadt des Porzellans – Vor 1000 Jahren entstand das weiße Gold erstmals in Jingdezhen. Ein Besuch“, den im Wortlaut fast gleichen Artikel.
Seitdem steht diese Stadt ganz oben auf meiner Reiseliste.
Nachdem mein Mann keine Zeit hat, und mir die Zeit davon läuft, hab ich mich vor 3 Wochen alleine auf den Weg gemacht. Peter’s TA (Team Assistentin) Rebecca hat mir ein Hotel ausgesucht (hatte aber gleich große Sorge, weil keiner vom Personal englisch spricht) und Peter hat die Flüge gebucht. 3 Tage Jingdezhen und 4 Tage Shanghai, da war ich nämlich auch noch nicht.

Am Montag fliege ich also von 7.00 – 10.00 Uhr nach Xi’an (hier ist die Terrakotta-Armee), nach 4 Stunden Aufenthalt geht’s um 13.55 weiter und nach 2 weiteren  Flugstunden bin ich um 15.50 Uhr Vorort. Mit mir steigen nur noch 17 Chinesen aus (war eine Zwischenlandung), was mich ein bissl stutzig macht. Vor dem Flughafen bin ich plötzlich von ca. 30 Taxlern umringt, die wild auf mich ein plärren. Ich steig ins erste ein, in der Hoffnung einen seriösen Fahrer zu erwischen, aber der weigert sich, sein Taxameter einzuschalten und für eine sehr kurze Strecke bezahl‘ ich 60 RMB (ca 8.50€), was mir aber dann auch wurscht ist, weil’s heftig regnet!

Im Hotel empfängt mich unfreundliches bis muffiges Personal, das gerade Daily Soaps auf dem Handy anschaut und sich durch mein Ankommen gestört fühlt. Man händigt mir eine Türkarte aus, sagt mir erst auf Nachfrage wo ich hin muss und überlässt mich meinem Schicksal. Leider hab ich wieder mal die Regenzeit erwischt – macht nix – ich dreh‘ trotzdem noch einen kleine Runde. Die Stadt sieht auf den ersten Blick ziemlich trostlos aus (noch dazu bei Regen). Hier ist die Zeit stehen geblieben. Ein einladendes Stüberl find‘ ich auch nicht, also geh ich auf mein Zimmer. Vorsichtshalber hab ich Proviant mitgenommen. Mit am Packerl Gummibärli und an Piccolo (hat Punsch-Temperatur, weil der Kühlschrank kaputt ist) mach ich es mir bei einem „Tatort“ gemütlich. Mein treu sorgender Gatte hat mich iPad technisch mit Presse und TV versorgt.

Das Frühstück ist sehr chinesisch, ich esse wenig – außer mir sind nur noch 2 Gäste anwesend.
An der Rezeption frage ich eine Chinesin, die etwas englisch spricht, wie ich in eine Porzellan Manufaktur käme. Sie bietet mir an, mich zu fahren. Der Verkehr ist Wahnsinn – dagegen ist Shenyang Labsal! Weniger Autos, aber tausende von Motorrollern, für die es KEINE Verkehrsregeln gibt! Dann – der Klassiker: sie bremst, weil ihr ein Roller die Vorfahrt nimmt, prompt fährt ihr ein anderer drauf. Der simuliert sofort einen Herzanfall, was ihm aber nix nutzt, weil sie ihn sehr lautstark zamm scheißt und damit droht, die Polizei zu rufen. Sie nimmt ihm 300 RMB (45€) für eine Delle in der Stoßstange ab und der Kaas is bissn! So regelt man hier Unfälle! Ich hab ihr dann auch noch 100 gegeben.

In der Porzellan Manufaktur kauf  ich nur ein paar Mitbringsel, alles andere ist nicht mein Geschmack und außerdem sehr teuer.

Jingdezheng - Porzellan Manufaktur
Jingdezheng – Porzellan Manufaktur.
Jingdezheng - Porzellan Manufaktur
Jingdezheng – Porzellan Manufaktur.

….und Vasen hab ich schon genügend!

Die Dame kassiert ihre Provision, war ja klar, und setzt mich im Zentrum ab. Hier pulsiert das Leben. Der ganze Stadtplatz ist ein großes Zocker-Paradies, es liegt ziemlich viel Geld auf den Kartentischen. So wie’s aussieht ist das auch legal, denn die Polizei schaut zu.

Jingdezheng - Kartenspieler
Jingdezheng – Kartenspieler.

Am nächsten Tag geh ich ins historische Porzellan Museum, gleich um die Ecke. Hier ist es wunderbar. Sogar die Mülltrennung ist stilvoll!

Jingdezheng - stilvolle Mülltrennung
Jingdezheng – stilvolle Mülltrennung.
Jingdezheng - Porzellan Museum
Jingdezheng – Porzellan Museum.

Eine Mädchengruppe spielt zur Freude der Touristen Klassik-Hits,
natürlich alles auf Porzellan-Instrumenten.

Jingdezheng - Mädchengruppe spielt Klassik-Hits auf Porzellan-Instrumenten
Jingdezheng – Mädchengruppe spielt Klassik-Hits auf Porzellan-Instrumenten.
Jingdezheng - Mädchen mit Porzellan-Instrument
Jingdezheng – Mädchen mit Porzellan-Instrument.

Der junge Mann töpfert

Jingdezheng - Töpfer.
Jingdezheng – Töpfer.

dieses sehr teure Geschirr.

Jingdezheng - Geschirr.
Jingdezheng – Geschirr.

In der Porzellan-Mall bin ich die einzige Kundin und in der ganzen Stadt hab ich keinen Westler gesehen. Mit meinen paar Brocken chinesisch wurschtl ich mich ganz gut durch.
Jetzt muss ich nur noch zum DEM Geschirr-Einkaufsmarkt, nach Porzellan-City, vielleicht springt mich ich ja doch noch was an! Was ich vorfinde erschlägt mich schier! Porzellan, soweit das Auge reicht! Ich werde fündig, Rebecca regelt telefonisch die Verschickung nach Shenyang und drückt auch den Preis noch ein bisschen.

Jingdezheng - Porzellan-City.
Jingdezheng – Porzellan-City.
Jingdezheng - Hinterhofbrennerei.
Jingdezheng – Hinterhofbrennerei.

In den Zeitungsartikeln habe ich auch über „Wannengde“ gelesen, einem Viertel in dem es kleine Familienunternehmen und Hinterhofbrennereien geben soll. Nichts wie hin! Sehr abenteuerlich. In keinem anderen Land der Welt hätte ich mich an solche Orte gewagt, aber wie gesagt, in China tut dir keiner was. Ein paar neugierige Blicke und Getuschel, das war’s.

Jingdezheng - Hinterhof.
Jingdezheng – Hinterhof.
Jingdezheng - kleines Familienunternehmen.
Jingdezheng – kleines Familienunternehmen.

Inzwischen ist es höchste Zeit, im Hotel meinen Koffer abzuholen und zum Flughafen zu fahren.

Mit einer Stunde Verspätung komme ich erst um 23.30 in Shanghai an. Leider fährt  der letzte Airport Express nur noch 2 Stationen und ich muss in ein Taxi umsteigen. Um diese Zeit geht’s nur  mit Festpreis, ich handle von 150 auf 130 RMB runter und bin dann weit nach Mitternacht endlich im Hotel!

Von Peter bekomme ich die Nachricht, dass sich zwischen Japan und Shanghai ein Wirbelsturm zusammen braut, und ich mich auf Unregelmäßigkeiten im Flugverkehr einstellen soll.

Shanghai ist eine moderne Stadt, hat aber historisch und kulturell nicht so viel zu bieten wie Peking. Mit dem „Hop off, Hop on“ Sightseeing-Bus gehe ich auf Erkundungstour!

Der sogenannte „Flaschenöffner“ ist 480 m hoch und ich bin ganz oben im 100sten Stockwerk!

Shanghai -  'Flaschenöffner' von unten
Shanghai – ‚Flaschenöffner‘ von unten.
Shanghai - oben (100. OG) im 'Flaschenöffner'
Shanghai – oben im ‚Flaschenöffner‘.

Am Freitag Nachmittag bekomme ich eine SMS, dass mein Flug am Samstag wegen des Hurrikan gecancelt wurde. Was tun? Rebecca, die gute Seele, setzt alles dran um noch für heute, Freitag einen Flug nach Shenyang zu bekommen – und – es klappt! Raus aus’m Bus, mit dem nächsten Taxi zum Hotel,  schnell alles rein in den Koffer, auschecken, ein Taxi bestellen und ab zum Flughafen.
Am Gate schnauf‘ ich erst mal durch! Jetzt wär‘ ein gut gekühlter Weißwein recht!
Verspätung – war ja fast klar, aber trotzdem ruhiger Flug!

….und zu guter Letzt: Am Samstag, den 18.7. sind wir mit dem Zug nach Peking gefahren zum Spiel:
FC Bayern : FC Valencia im „Vogelnest“ (so nennt man das Olympiastadion)
Wenn Peter’s Verein schon mal in der Nähe spielt MUSS man hin. ….Und dann noch 4 : 1 gewonnen.
49 000 Zuschauer, davon die meisten Chinesen im Bayern-Trikot! Beckenbauer und Rummenigge saßen 20 m von uns entfernt auf der VIP-Tribüne.
War eine super Atmosphäre! Um 6.00 Uhr früh waren wir wieder daheim!

Am Dienstag ging’s dann für 3 Tage allein nach Hongkong! Leider gibt’s da nicht viel zu erzählen, weil ich wieder die Regenzeit im Gepäck hatte. 2 Tage hat’s nur geschüttet was runter ging. Auf dem Hinflug hatte ich nur 3 Stunden Verspätung, in Hongkong stand ich 5 Stunden auf dem Rollfeld. Man nennt es hier schon „Spiesfluch“!

Das war’s wieder mal!

它很好, und frohe Grüße aus China

von Ihrer / Eurer
Annamirl

Beijing Bird's Nest vor dem Spiel des FC Bayern am 18. Juli 2015
Beijing Bird’s Nest vor dem Spiel des FC Bayern am 18. Juli 2015

Lagebericht X.

Hochverehrtes Publikum , liebe Freunde,

letzte Woche hatte ich Besuch von einer Freundin aus München, die ihrerseits vor kurzem Expat-Wife in Spartanburg (South-Carolina) war und mir bei diesbezüglichen Fragen immer beratend zur Seite steht.

Kurz und gut, die letzten 2 Tage ihrer Chinareise verbrachten wir in Peking – Sightseeing verbunden mit shoppen ist immer DER Ankommer, aber dazu später!
Als wir mit diversen Einkäufen beladen einem Taxi winkten, kam sofort eins, als hätte es schon auf uns gewartet. Ich war schon oft in Peking und kenn‘ mich mittlerweile dank meiner Freundin und Cousine (Expat-Wife in Peking), auch ganz gut aus. Nach kurzer Zeit fiel mir auf, dass der Taxifahrer Umwege fuhr und die Geldanzeige am Taxameter nur so durch ratterte. Zum Hotel  fuhr er nicht die Rampe rauf, sondern blieb an der Straße stehen.
Ich muss vorausschicken, dass ich was Falschgeld betrifft, vorgewarnt war und wusste, dass es hauptsächlich die Taxifahrer unters Volk bringen!
Der Fahrpreis betrug 60 Pingpong (normalerweise bei gleichem Verkehr 30) und ich gab ihm einen Hunderter. Diesen tauschte er blitzschnell, wie ein Trickbetrüger aus und gab  mir mit den Worten:“Bad Money!“ einen falschen zurück. In diesem Moment schrillten bei mir sämtliche Alarmglocken! Ich nahm den  Schein und sah sofort, dass es Falschgeld war. Dummerweise holte ich aus meinem Geldbeutel einen anderen Hunderter zum Vergleich und gewährte ihm somit Einblick in meine Finanzen. Er forderte mich lautstark auf, ihm einen anderen Schein zu geben (damit er den wieder austauschen konnte), 10 und 20er Scheine nehme er nicht! Wir wollten zum Hotel hoch um die Scheine kontrollieren zu lassen, was ihn sichtlich nervös machte. Ich sagte zu meiner Freundin: „Hol mal dein Handy raus und fotografier‘ seine Lizenz auf dem Armaturenbrett!“ Jetzt wurde er handgreiflich, packte sie am Arm und wollte ihr das Handy entreißen! Da kam er grad an die Richtige! Mit diesem Widerstand von 2 alten Weibern hatte er wahrlich nicht gerechnet! Ich schrie ihn an: „Du gibst mir jetzt sofort mei‘ Wechselgeld und dein falschen Hunderter konnst da sonst wo hiestecka!“ Er gab mir tatsächlich 40 Pingpong raus und uns viel schlagartig ein: „Wir haben unsere Einkäufe (nicht zu knapp) noch im Kofferraum!“. Meine Freundin: „Hol die Taschen raus, ich bleib solange sitzen!“ Er schrie noch um sich schlagend: „Fuck You!!“, „Fuck you selber!“, öffnete aber dennoch den Kofferraum. Ich riss die Taschen raus, Kristin flüchtete aus dem Taxi und selbiges rauschte mit offenem Kofferraum und quietschenden Reifen davon. Erst jetzt merkten wir, dass wir ganz schön Herzklopfen hatten, freuten uns aber diebisch und waren stolz, dass wir 2 alten Ladies einen Betrüger in die Flucht geschlagen haben. Dem wird ganz schön die Muffe gehn, weil er ja nicht sicher sein kann, ob wir ein Foto gemacht haben oder nicht. Ich hab gehört auf die Verbreitung von Falschgeld gibt’s Gefängnis – und das möchte keiner von innen sehn! Der wird sich so schnell nicht mehr mit 2 grauen Panthern anlegen!

Weil wir schon bei Peking sind: Die Luft ist nicht so schlecht wie ihr Ruf, manchmal hat’s sogar „Bad Birnbach“ Werte!

Beijing - am Tian'anmen Platz
Beijing – am Tian’anmen Platz – Eingang zur Verbotenen Stadt

Meine Cousine und ihre Freundin haben mir die schönsten historischen Plätze und besten Einkaufsmöglichkeiten gezeigt. Dadurch, dass Peter auch in Peking ein Büro hat, sind wir ziemlich oft vor Ort und wir 3 Mädels ziehen dann immer los. 1 Tag Kultur – 1 Tag Markt. Auf diese Weise hab ich auch den „Secret-Market“ kennen gelernt. Der ist so geheim, dass man ihn nur durch weiterflüstern findet!
Man geht durch einen finsteren und ziemlich ramponiertem Abgang 2 Stockwerke in den Keller, wendet sich nach rechts und steht vor einem Vorhang aus künstlichem Efeu. Dahinter befindet sich rechts nochmal ein Efeuvorhang, hinter dem sich eine Tür ohne Klinke, aber mit Kamera befindet. Hier klopft man an und wird eingelassen. Chinesen haben keinen Zutritt, weil man Angst vor einer Anzeige hat! Man befindet sich nämlich im „Fake-Produkt-Piraten-Paradies“!

Kulturell hat Peking natürlich auch viel zu bieten:
Die Verbotene Stadt,

Beijing- Verbotene Stadt
Beijing- Verbotene Stadt

den Sommerpalast,
den Lama-Tempel,

Baustelle
Baustelle

eine Rickschafahrt durch die Hutons (das sind die alten tradionellen Häuser),

Hutons in Beijing
Hutons in Beijing

das Urbanplaning-Museum,
den Tian’anmen Platz mit Mao Mausoleum (den ich mir natürlich nicht anschau!! den Mao!) und der Großen Halle des Volkes

Große Halle des Volkes
Große Halle des Volkes

…..mein absoluter Favorit ist der Himmelstempel!

Himmelstempel - Hall of Prayer for Good Harvests
Himmelstempel – Hall of Prayer for Good Harvests

Er liegt in einem großen, schattigem Park, man kann wunderbar spazieren gehen, den Chinesen beim Tanzen und Musizieren zuschauen und hat gleichzeitig diese großartige chinesische Architektur. In den Parks pulsiert das Leben!

Im Park des Himmelstempels
Im Park des Himmelstempels
Im Park des Himmelstempels
Im Park des Himmelstempels
Im Park des Himmelstempels
Im Park des Himmelstempels

Außerdem kann man shoppen und Kultur wunderbar verbinden, denn am Osttor befindet sich der Pearl und Secret-Market.

Pearl Market in Beijing
Pearl Market in Beijing

Ansonsten ist Peking eine Weltstadt mit vielen Touristen, entsprechend teuer und die Menschen sind nicht so freundlich und hilfsbereit wie bei uns. Ich bin lieber z’Shengyang dahoam, denn hier ist das richtige China.

Shenyang - die Heimat von BMW in China
Shenyang – die Heimat von BMW in China

Wenn man Langnasen sieht, weiß man: Die arbeiten hier – Reisende verirren sich kaum hierher.

Was mir grade noch einfällt: Seit 1. Juni besteht in ganz China Rauchverbot und zwar überall wo ein Dach drüber ist.

Beijing im Rauchverbot
Beijing im Rauchverbot

Da wird ned lang g’fackelt, von wegen Volksbegehren und so a Grampf, das wird beschlossen und fertig!

Das war’s wieder mal!

它很好, und frohe Grüße aus China

von Ihrer / Eurer

Annamirl

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Lagebericht IX.

Hochverehrtes Publikum, liebe Freunde,

Ein Besuch bei der hiesigen Polizei! Ein Erlebnis:

Jeder Besuch, der zu uns kommt und bei uns wohnt, muss in dem für uns  zuständigen Polizeirevier gemeldet werden.

Gleich nach der Ankunft jedes Besuches fahren wir hin, um dieses Procedere hinter uns zu bringen. Diesmal mit 4 Personen. Dort angekommen, hielt man uns an zu warten, der zuständige Beamte sei noch irgendwo im Einsatz. Nach ca. 1 Stunde kam er dann (ich kenne ihn seit fast 2 Jahren), bat mich mit den Pässen in sein Büro und gab mir zu verstehen mich wieder zu den anderen zu setzen. Nach einer weiteren Stunde kam er in Privatkleidung und wollte nach hause gehen, nicht ohne mir zu sagen, ich solle um 10.00 Uhr abends wieder kommen. „Hä??? Da schlaf‘ ich schon!“ „Dann morgen!“ „Und die Pässe?“ “ Bekämen wir morgen wieder“. Das geht ja gar nicht – ohne Pässe in China! Auf unser Drängen hin, händigte er sie uns wieder aus.
Beim Abendessen hielten wir Kriegsrat und einer der Gäste hatte eine grandiose Idee: Er arbeitete viele Jahre im Innenministerium und hatte aus dieser Zeit noch diverse Polizei- und Feuerwehrabzeichen, sowie Bayern- und Handschellensticker dabei. Diese führt er bei Auslandsreisen immer mit, „um auf diplomatischem Wege möglicherweise vorhandene Hemmschwellen (im weitesten Sinne) zu beseitigen“. Großartige Idee! Sollte sich als sehr hilfreich erweisen!

Mit diesen Accessoires bewaffnet, erschienen wir nächsten Morgen wieder auf dem Revier! Man ließ uns wieder setzen und warten. Als endlich der für uns zuständige Beamte den Warteraum betrat, hielt ich ihm sofort das deutsche Polizeiabzeichen mit dem  Hinweis, jener Herr sei ein hochgestellter, deutscher Kollege von ihm, unter die Nase. Und siehe da,  auf einmal ging alles „wie geschmiert“! Er bat uns HÖFLICH in sein Büro. Dort saßen äußerst gelangweilt 2 weitere Polizisten, die von mir mit Bayern- und Handschellensticker be….lohnt wurden und während unserer gesamten Anwesenheit damit spielten. Nach kurzer Zeit waren wir fertig und unser Polizist bekam das deutsche Polizeiabzeichen geschenkt, worüber er sich ehrlich freute. Dem  Beamten am Empfang überreichte ich noch das der „Freiwilligen Feuerwehr Schonungen“ (in der Hoffnung, dass es beim nächsten Besuch von Anfang an a bißl schneller geht). Auch er hat großen Gefallen daran gefunden.

Um unseren Besuch auf die Schönheiten Chinas einzustimmen, war gleich am ersten Wochenende „Der Himmelssee“ angesagt. Ein spektakuläres Ziel an der Grenze zu Nordkorea: Aus dem waldreichen „Langen Weißen Gebirge“ (Changbai Shan) ragt der 2700 m hohe Vulkankegel des Baitou Shan auf. Am schwefelgelben Kraterrand blickt man hinab auf den 9,2 km² großen, geheimnisvoll schimmernden Himmelssee, dessen Wasser über einen 68 m hohen Wasserfall zu Tal stürzt.

Himmelsee
Vor uns: Still ruht der See
Hinteruns toben die Menschenmassen
Hinter uns toben die Menschenmassen
Eierkochen in den heißen Quellen des Vulkans
Eierkochen in den heißen Quellen des Vulkans
Der Wasserfall
Der Wasserfall

Die Bergfahrt mit Kleinbussen auf sehr schmalen, Serpentinen-reichen Straße lässt sich nicht beschreiben, die muss man erlebt haben. Das die Reifen nicht geglüht haben war ein Wunder. Bevor wir allerdings in den Bus steigen konnten, hatten wir uns in eine Warteschlange gigantisches Ausmaßes einzureihen!

Chanbei Shan Warteschlange
Warten auf den Shuttlebus

Am 24. August war „Kulturschock III“ geplant und zwar, diesmal nicht der klassische „Bayerische Abend“, sondern „Opern auf bayerisch“ von  Paul Schallweg. Die Idee hatte Stephan Sütterlin, der mir schon die ersten 2 bayerischen Abende zur Seite stand. Und weil man ja dazu Musik braucht, ließ er sein Bläser Orchester „Brassissimo“ einfliegen. Tagelang rezitierte ich auf dem Balkon: Carmen, Der Freischütz und Rigoletto. Was sich meine chinesischen Nachbarn gedacht haben, will ich gar nicht wissen. Nachdem ich sowas noch nie gemacht habe, war ich natürlich wieder dementsprechend nervös.
Als Aufführungsort hatten wir das  „Paulaner – Wirtshaus“ im Hotel Kempinski ins Auge gefasst, weil da das ganze Drumrum zu passen schien und bayrische Küche auf der Speisekarte steht. 3 Tage vorher trafen wir uns mit dem General Manager und wollten die Feinabstimmung mit ihm besprechen. Als wir ihm keinen Mindestumsatz garantieren konnten, empfahl er uns kurzerhand ein anderes Etablissement (rausg’schmissn hat er uns!!) Für mich der Supergau! Stephan blieb Gottseidank ruhig und wir sprachen im „Shangri-La“ einem anderen Hotel vor. Dort haben sie uns sofort mit offenen Armen empfangen und den Großen Ballsaal hergerichtet.
Was gibt’s schöneres, wenn man für so eine Veranstaltung einen Chefreporter des Münchner Merkur auf der Gästeliste stehen hat! Der Abend war wieder ein Knaller, und als ich dann überraschend die „Habanera“ aus „Carmen“ sang (war nicht abgesprochen) hatten die Bläser kurzzeitig Mühe, nicht zu lachen und manche Töne kamen gepresst.

Kulturschock III
Kulturschock III

Unsere Chinazeit geht leider im September zu Ende. Es ist Wahnsinn, wie schnell die 3 Jahre vergangen sind!
Das war’s wieder mal!

它很好, und frohe Grüße aus China

von Ihrer / Eurer

Annamirl

ap

(Verkehrs-)Lage VIII.

Hochverehrtes Publikum, liebe Freunde,

diese Woche hat mich ereilt, was ich insgeheim schon lange befürchtet habe. Mir ist eine Chinesin ins Auto gerauscht.

Von Anfang:
Vor kurzem lernte ich in unserer Häkelrunde eine sehr nette Expatfrau kennen. Sie ist seit 4 Wochen hier, wohnt noch im Hotel, war aber schon am Umziehen in ihr Apartment. Ich bot ihr meine Hilfe an und holte sie mit ihren Koffern vom Hotel ab.  Vorher fuhren wir noch in die Küchenstraße und zu IKEA. Ihr könnt Euch sicher vorstellen, dass wir bis unter’s Dach beladen waren. In der Zwischenzeit war es fast 19.00 Uhr und nachdem der Winter bei uns Einzug gehalten hat, haben wir eine Außentemperatur von -8°- -12°. Auf der letzten Kreuzung vor unserem Ziel passierte es dann. Ich hatte mich schon zum links abbiegen eingeordnet, war auch fast auf der Spur, als sich noch schnell ein Auto an mir vorbei drängeln wollte (drängeln und schneiden sind hier die Klassiker). Schon war es passiert: mein rechter Kotflügel steckte in der linken Seitentüre eines alten Opel, in dem eine Frau mit einem schon größeren Kind saß. Damit diese aussteigen konnte fuhr ich 2 m vor und stellte mein Auto vor ihrem ab, was sich später als fataler Fehler herausstellen sollte. Ich erwartete die Schimpftirade einer keifenden Chinesin, aber nein – sie lächelte mich an sagte: „Mei shir“ was soviel heißt wie: „Macht nix!“ und begann zu telefonieren. Kurz darauf erschien ihr Mann, der mich förmlich anstrahlte. Hä? Ungläubiges Erstaunen meinerseits! Ich rief sofort Peter (der Daheim schon auf mich wartete) an. Er riet mir, mich umhehend bei der Unfall-Hotline zu melden, welche bei Verkehrsunfällen die Verhandlungen übernimmt. Es wird die Polizei und die Versicherung verständigt und alles weitere geregelt, wir Langnasen müssen nur warten. Ich rief an! Es meldete sich eine Dame, deren Englisch ich leider gar nicht verstand, nur soviel, dass ich auf die Polizei warten solle. Irgendwann kam dann ein Polizist, verlangte Führerschein und Papiere und unterhielt sich mit der Frau, die meiner Meinung nach den Unfall verursacht hat. Es vielen oft die Wörter: „Lao wai (Ausländer)“ und „Bao ma (BMW)“. Die Freude in ihren Gesichtern war nicht zu übersehen! Jetzt war es an der Zeit nochmal die Hotline anzurufen. Wieder verstand ich nicht viel und Peter stellte eine „Telefonkonferenz“ her. Über die Freisprechanlage meines Autos redeten jetzt 4 Personen wild durcheinander: Die Hotline-Dame mit Peter englisch, der Polizist mit ihr chinesisch und ich mit Peter deutsch.
Unglücklicherweise hatte ich vergessen mein Handy aufzuladen und plötzlich fiel es schlagartig aus. Na toll! Das meiner Bekannten hatte noch genug Saft, also gingen die Gespräche jetzt über ihres, ohne Freisprechanlage! Es wurde wild von einem zum anderen gereicht – das Chaos war perfekt. Was uns von Anfang an äußerst stutzig machte war die Tatsache, dass seltsamerweise niemand die Nerven verlor, und uns alle immer wieder freundlich zulächelten. Der Polizist nahm endlich meine Personalien auf und bat mich zu unterschreiben. Im Glauben, es wären meine Daten, unterschrieb ich. Der zweite Fehler! Wieder Telefonkonferenz: Die Hotline-Dame erklärte mir, ich hätte gerade unterschrieben, dass ich zu 100% an dem Unfall schuld war. SCH……E!!
Jetzt kommen wir zu Fehler Nr. 1!
Sobald man sein Fahrzeug am Unfallort bewegt bevor die Polizei da ist, und seien es auch nur 2 Meter, übernimmt man automatisch die volle Schuld.
Woher soll ich das wissen?

So weit, so schlecht, jetzt war die „Schuldfrage“ geklärt! Fröhlich winkend verließ uns der Polizist, während wir noch auf den Mann von der Versicherung warten mussten.
Der Herr von der „Hamburg-Mannheimer“ (Witzerl g`schissn) hat alles genau fotografiert und man zeigte ihm auch noch den verdellten Kotflügel. In dem Moment wussten wir, warum Partystimmung war – die Chinesen haben nur eine geringe Autoversicherung, aber sie wissen, dass die meisten Ausländer eine vernünftige haben! Endlich hat’s bei mir geklingelt!!! Die Frau bekommt von der Versicherung, dank meines „Schuldgeständnisses“ den ganzen Schaden bezahlt und lässt wahrscheinlich an ihrem alten Opel die ganze linke Seite runderneuern! Da kann man schon mal 2 Stunden bei -10° in der Kälte stehen und freundlich lächeln!
Nach über 2 saukalten Stunden trennten wir uns in beiderseitigem Einvernehmen.
Auf`s höchste irritiert starteten meine Bekannte und ich die letzten Meter zum Apartment und siehe da – in der Tiefgarage – wir trauten unseren Augen nicht – trafen wir auf unsere Unfall Gegner!! Fröhlich winkend gingen sie an uns vorbei, wünschten uns eine gute Nacht und verschwanden. Nur einige Stellplätze von dem meiner Bekannten entfernt entdeckten wir den Opel. Wir werden die Reparaturen natürlich genau beobachten!
Im Lift haben wir erst mal einen hysterischen Lachanfall bekommen, weil die ganze Situation so komisch und unwirklich war!!
Um 21.30 Uhr war ich endlich zu hause, hab mit Peter ein Glas (Flasche) Wein getrunken und mich in der Badewanne aufgetaut!
Am Donnerstag hab ich mein Auto zur Reparatur gebracht und morgen am Sonntag hole ich es mit Peter wiederab. Alles ist gut!

…und weil wir schon bei den unangenehmen Dingen sind, gleich noch eine Geschichte.
Peter bekam kürzlich für uns beide die Aufforderung zum Medical Check. Man muss vorausschicken, dass es in China keine niedergelassenen Ärzte gibt, man muss also immer ins Krankenhaus, egal was einem fehlt und dort wird man dann von Arzt zu Arzt geschickt.
Wir fahren also zu einem jener riesigen Hospitals, wo schon eine Dolmetscherin auf uns wartet. Im Eingangsbereich geht’s zu wie in einer Bahnhofshalle.
Man trifft alles: Mütter mit Kindern auf dem Arm, Patienten mit Infusionsständern oder in Rollstühlen, Augenverletzte, Gipsarme- und Beine, Kopfverbundene usw.
Unsere Begleiterin führt uns zur Patienten-Aufnahme, erledigt alles schriftliche für uns und los geht’s!
Messen, wiegen und Körperumfang: Bei mir passen Größe und Gewicht nicht zusammen – weiß ich selber! Das Maßband zeigt um die Hüfte ein paar Zentimeterchen zuviel – weiß ich auch!
Sehtest ist etwas unüblich: Man hält sich mit einem Metalllöffel ein Auge zu und muss mit dem anderen erkennen nach welcher Seite ein E offen ist. Farbtest bleibt mir erspart – immerhin etwas!
HNO: Die Ärztin leuchtet in meine Ohren und fragt, wie häufg ich sie putze. „Oft!“ „Oh, das ist gar nicht gut, Sie haben fast kein Ohrenschmalz!“ Anschließend leuchtet sie mir in die Nase und stellt fest, dass ich zu oft schnäutze. “ Das ist nicht gut für die Schleimhäute, die sind zu trocken! (Den Rotz)Laufen lassen!“ Bei Peter ist alles in Ordnung – das gibt mir zu denken! Liebe Freunde, wundert Euch nicht wenn ihr mich wieder seht – überquellende Ohren, Rotzglocke und fettige Haare! (lachlach)
Jetzt trennen sich unsere Wege. Peter und ich bekommen jeweils eine Ärztin zur Seite, die uns zu den verschiedenen Untersuchungsstationen führt und uns auf englisch alles übersetzt.
Sie drängeln sich überall vor, was uns keine Freunde macht, aber Wartezeiten erspart.
Innere Organ-Ultraschalluntersuchung auf 3 Liegen nebeneinander. Dass die 2 noch anwesenden Chinesinnen auf meinen Busen starren, stört mich nicht weiter, sie sind ja von Natur aus nicht so üppig ausgestattet. Dann wird ultrageschallt, was das Zeug hält. Man wird auch fündig, kann mir aber nicht sagen was.

Das war’s dann auch!

Zum Schluss jetzt noch was Wunderbares!

Der berühmte Pianist Lang Lang kommt in seine Heimatstadt und startet hier seine Tour in 12 Städte Chinas. Wohltätigkeit und Nächstenliebe spielen für Lang Lang als ein Botschafter von UNICEF eine wichtige Rolle. Die Einnahmen der Tour werden an diejenigen gespendet, die es am dringendsten benötigen.

So war er angekündigt, und Peter (konnte leider nicht mitkommen, weil er unterwegs war) hat mir eine Karte besorgt.
Ich war verwundert, denn das Konzert war nicht ausverkauft und die Chinesen waren auch nicht besonders enthusiasmiert. Ich schon! Lang Lang kam total sympathisch und bescheiden rüber!
Und wieder hab ich festgestellt, dass die Shenyanger keine Theater- bzw. Konzertkultur haben (siehe Lage I). Die Kinder spielen fangen, man unterhält sich, telefoniert, oder isst geräuschvoll Popkorn bzw. Hühnerfüße aus der Plastiktüte (zur Lärm- auch noch die Geruchsbelästigung). Das Orchester hat Gott sei Dank meistens die Nebengeräusche übertönt.
Als Zugabe spielte Lang Lang mit einem 9 jährigem Jungen 4-händig. Plötzlich gingen die beiden Seitenvorhänge auf und man sah links und rechts jeweils 10 Klaviere, an jedem 2 kleine Chinesen sitzen, die alle dasselbe Stück mitspielten. Es hörte sich wie 1 einziger Ton an – das war grandios und hat mir ein Tränchen ins Auge getrieben! Da war es dann auf einmal ganz still im Stadion.
Das Konzert war ein Genuss!

Jetzt wünsch ich Euch / Ihnen allen noch a scheene staade Zeit!
它很好, und frohe Grüße aus China

von Ihrer / Eurer
Annamirl

Christkindlmarkt in Shenyang.
Shenyang. Christkindlmarkt am 13.12.2014 vor O’Reillys.

Zwischenlage-Urlaubsbericht.

Hochverehrtes Publikum, liebe Freunde,

heute fange ich meinen Bericht mal von hinten an, also von vor 4 Wochen.

Das „Traders Hotel“ (Stadtmitte Shenyang) hat einen Kochkurs unter dem Motto: „Von der Angel in die Pfanne“ angeboten.
Teilnehmerzahl: 12 Personen.
Ein 5-Gänge Menü mit Weinbegleitung!

Nachdem Peter mit kochen gar nix am Hut hat und das ausschließlich mir überlässt, bin ich alleine hingegangen. Den Kochkurs hat Alfred Krasser (GAULT MILLAU master chief), ein Österreicher gehalten und ich kann nur sagen: Vergesst Schuhbeck!
Saaagenhaft  –  ein Erlebnis! Hummer, Jakobs-, Mies- und Pfahlmuscheln, Seewolf, Lachs usw..
Kleiner Auszug:
Hummer / Flusskrebscocktail
Steirische Karpfensuppe
Zweierlei von der Muschel
Aus dem Meer –  verschiedene kurzgebratene Fischfilets
Schoko- und weiße Mousse
Jetzt hängt schon mein zweites Koch-Zertifikat in der Küche!
Und natürlich floss bester Wein in Strömen…. von der Gaudi, die wir zusammen hatten, ganz zu schweigen!

Kürzlich hatten wir 3 Tage Urlaub. Nach einigen Überlegungen haben wir uns für Chengde entschieden und sind am Samstag früh aufgebrochen.  Wir wollten nicht schon wieder fliegen, sondern mit dem Auto fahren, damit wir Vorort mobil sind.  Chengde liegt ca. 580 km von Shenyang entfernt in Richtung Peking. Auf chinesischen Autobahnen darf man maximal 120 fahren, meistens aber nur zwischen 100 und 80, also hat sich die Fahrt a bissl gezogen.

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Chengde ist für chinesische Verhältnisse ein kleines Dorf, aber mit vielen kulturellen Sehenswürdigkeiten.

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Z.B. den kaiserlichen Sommerpalast, dem Kloster Puning Si, in dem sich der Riesenguanyin, die größte Holzfigur der Welt befindet und vielen Tempeln.

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Landschaftlich ist dieses Gegend auch sehr reizvoll und abwechslungsreich.

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Bei 34° von Gipfel zu Gipfel zu wandern ist sehr schweißtreibend.

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80 km westlich von Chengde, Richtung Peking gibt es ein Stück „Große Mauer“, das nicht restauriert und noch authentisch ist.

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Der Anstieg war sehr steil und für mich äußerst anstrengend.
Nachdem wir ca. 10 Minuten gegangen sind, gesellte sich eine mongolische Bauersfrau zu uns, die englisch sprach, mir immer wieder Luft zu fächelte und bei unwegsamen Stellen die Hand reichte.

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Mir ging das mit der Zeit auf’n Wecker, aber sie ließ sich nicht abschütteln. Uns war klar, dass sie das nicht aus reiner Menschenfreundlichkeit tat, sondern, dass sie was dafür wollte. Am Gipfel angelangt, breitete sie dann ihre Souvenirs aus und nötigte uns zum Kauf. Billig war sie nicht! Wir haben ihr schließlich für 350 RMB (ca 40€) was abgekauft und somit unser Soll erfüllt. Als wir weg waren, hat sie sich wahrscheinlich totg’lacht, weil’s uns so b’schiss’n hat!

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Mittwoch sind wir dann nach 3 erlebnisreichen Tagen wieder heim gefahren.

Im Juni haben uns  Anna (unsere ältere Tochter) und Bässem besucht.

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Die Sehenswürdigkeiten und Shopping-Möglichkeiten Shenyangs waren bereits nach 3 Tagen abgegrast, also beschlossen wir eine kleine Rundreise zu machen: Shenyang – Lijiang – Hangzhou und zurück. Wir hatten im Pullmann-Resort in Lijiang bei meinem Freund Hartmut Schaller, der da jetzt General Manager ist, gebucht. Geplant war, dass wir nach der Ankunft gegen 23.30 Uhr  noch wenigstens die 2. Halbzeit vom Spiel Deutschland – Portugal (4:0) sehen könnten.
Um 18:35 Uhr sollte unsere Maschine  starten. 2 1/2 Stunden später ging’s dann endlich los. Keine Durchsage hat diese granatenmäßige Verspätung erklärt.
Die Zwischenlandung in Zhengzhou hat sich statt 40 Minuten  nochmal 2 Stunden hingezogen, sodass wir mit insgesamt 4 Stunden Verspätung ankamen. Um 4.00 Uhr waren wir dann endlich im Hotel. Gottseidank wurden uns via Wechat die Fußballergebnisse mitgeteilt.

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Schon allein für die Hotelanlage hat sich die Reise gelohnt! Wunderschön gelegen an den Ausläufern des Himalaja. Bin mit dem Radl (ca. 7 km) vom Hotel in die Stadt gefahren. Die Altstadt von Lijiang ist Weltkulturerbe und unbedingt sehenswert.

Besondere Spezialität der Region: Nadelmalerei (gestickte Bilder), Silber und Seidenschals. Leider setzte am 2. Tag die Regenzeit ein.

Nach 3 Tagen ging’s weiter nach Hangzhou.
Die Regenzeit  reiste mit.
Man sagt: die Christen haben das Paradies – die Chinesen haben Hangzhou. Am künstlich angelegten West-Lake sollen sich Ying und Yang perfekt vereinen.
Bei Sonnenschein wahrscheinlich wirklich traumhaft!
Hangzhou ist ein Zentrum der Seiden- und Teeherstellung.
Ich hab mich im Hotel erkundigt, wo man am besten Seide kauft. Die nette Dame am Empfang hat mir auf dem Stadtplan eine Seideneinkaufsstraße  gezeigt und erklärt, dass es hier günstige Seide gibt und man gut handeln kann. Frag ich am nächsten Tag einen Hotelangestellten nach dem Weg zu dieser Einkaufstraße, tut der ganz komisch rum und winkt einem Taxifahrer, der „zufällig“ grad da steht. Beide beteuern mir, da gäbe es nix.  Der Taxifahrer hat mich dann zu einer  „Great-Silk-Shopping-Mall“ gefahren, die ich nach 5 Minuten entsetzt wieder verlassen habe, weil alles so schweineteuer war. Der Taxifahrer hat natürlich auf mich gewartet und mich ungefragt zu einem Teemuseum mit Teeverkostung gefahren, in der Hoffnung, dass ich was kaufe und er eine dicke Provision bekommt. Als ich auf dem Heimweg um den „West-Lake“  zum Hotel zurück fahren wollte, hat er Geld gewittert und für die Umrundung plötzlich einen Festpreis von 200 RMB (24€) verlangt. Für chinesische Verhältnisse sehr teuer. Mit Taxameter  hätte es wahrscheinlich nur ein Drittel gekostet. Ich hab’s bezahlt, weil’s so geregnet hat und ich nicht auf ein anderes Taxi warten wollte. Hund san’s scho, die Chinäs’n und sehr geschäftstüchtig.

Am Nachmittag hat der Regen nachgelassen und ich bin zu Fuß los gezogen. Natürlich hab ich diese wunderbare Seidenstraße gefunden. Hab auch was (mehreres) gekauft und  gehandelt wie ein Pferdeknecht. Das kann ich in der Zwischenzeit gut, dazu reichen meine chinesisch Kenntnisse aus! Anna und Bässem hatten an diesem Tag mit dem Zug einen Ausflug nach  Shanghai gemacht.
Auf dem Rückflug nach Shenyang hatten wir nur eine Stunde Verspätung.

Ja, und dann war da noch unsere Zugfahrt nach Peking.
Sowas kannst du nur in China erleben!
Anna, Bässem und ich wollten mit dem Zug nach Peking fahren. Ich zeig dem Taxifahrer das Zugticket und er fährt, wie beim letzten Mal (war schon öfter mit dem Zug in Peking) zum Nordbahnhof. Wir wollen einchecken, aber jeder Bahnbeamte schüttelt den Kopf und sagt wir seien am falschen Eingang, im falschen Stockwerk, im falschen Gebäude.  Draußen, am Bahnhofsplatz wollten wir uns orientieren und haben einem Angestellten unsere Fahrkarten gezeigt. Der hat rumgefuchtelt und immer bu, bu (nein, nein) gesagt. Ich hab nix kapiert. Drei Männer haben das gesehen, sind zu uns her gekommen, haben sich die Karten zeigen lassen, dann wie wild gestikuliert und immer auf die Uhr gezeigt. Endlich haben wir verstanden: Wir waren am falschen Bahnhof!!  25 Minuten Zeit blieben uns bis zur Abfahrt – am Westbahnhof, am anderen Ende der  8-Millionen-Stadt. Wir dachten erst, die 3 Jungs wären Taxifahrer, aber dann stellte sich raus, dass sie Motorroller Fahrer ohne Fahrlizenz waren, also „Schwarz-Taxler“! Das ist zwar verboten, war uns aber in dem Moment wurscht! Für gesamt 100 RMB (12€) würden sie uns fahren.
Sie drängten uns immer auf die Uhr deutend zur Eile. Schnell schnell schnell!! Die großen Koffer von Anna und Bässem haben Sie vorne am Roller im Fußraum quer gestellt, mein kleiner war kein Problem. Unter Missachtung sämtlicher Verkehrsregeln haben sie uns dann zum Westbahnhof gefahren. Auf der Busspur haben sie den Bus geschnitten, auf’m Radlweg die Radlfahrer und Fußgänger weg gehupt und auf der dreispurigen Straße die Autos zur Vollbremsung genötigt. Ich hab mich nur mit Daumen und Zeigefinger an meinem Fahrer festgehalten, selbiger hatte ein schweißnasses Polyamidhemd an und roch dementsprechend. Ich hab nur gebetet: „Lieber Gott ich bin noch so jung, viel zu jung zum Sterben! Du willst mich doch noch gar nicht! Hol mich bitte nicht zu dir!!“ Wir haben’s tatsächlich in nur 15 Minuten  geschafft. Diese Schlawiner haben natürlich sofort geschnallt, dass wir auf Sie angewiesen waren und haben jetzt von jedem 100 RMB verlangt. Was sie nicht wussten: ich hätte ihnen, weil lebend angekommen, sogar das Dreifache bezahlt! Im Schweinsgalopp haben sie unsere Koffer noch zum bis zum Eingang gebracht. Wir sind zum Bahnsteig, in den Zug eingestiegen, haben uns auf unsere reservierten Plätze gesetzt, der Schaffner hat gepfiffen und wir sind losgefahren….mein Schließmuskelkrampf hat sich nur sehr langsam gelöst.

Die Fußball WM haben wir hier natürlich mitverfolgt!
Die Übertragungszeiten waren a bissl unchristlich: Anstoß um 00.00 Uhr, ging noch. Nach der 4.00 Uhr Übertragung ist Peter im Anschluss gleich ins Büro.

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Das Finale um 3.00 Uhr haben wir mit Freunden angeschaut, anschließend gab’s die letzten Weißwürscht vom Wiggerl! Mei warn de guad!

Viele Chinesen sind hier mit Deutschland Trikots rumgelaufen! Gab’s in der Sportstraße für ca. 4 € – natürlich das „Original“.

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Jetzt stehen noch der Hochzeits-Bericht, a paar Informationen über Peking und „Kulturschock III“ aus.

Im September steht wieder ein Heimflug an.
So sehr es mir in Shenyang gefällt, übermannen mich trotzdem ab und zu Heimwehanfälle. Sie kommen aus dem Nichts wie
Hitzewallungen, und verschwinden Gottseidank auch genauso schnell wieder.

它很好, und frohe Grüße aus China
von Ihrer / Eurer
Annamirl

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Lage VII oder 2. Halbzeit.

Hochverehrtes Publikum, liebe Freunde,

Höchste Zeit für einen Bericht.

Ostern war ich kurz entschlossen in München, und natürlich gab’s wieder flugtechnisch einen Zwischenfall! Der Flug selber war sehr entspannt, denn mittlerweile weiß ich, dass Chinesen möglichst weit vorne sitzen wollen, damit sie beim Aussteigen die ersten sind. D.h. ich buche möglichst die letzte Fensterreihe – Gangplatz, dann hab ich immer gute Aussicht auf einen freien Platz neben mir. War auch diesmal so. Ich bin gut in München angekommen, aber mein zweiter Koffer nicht! Also diesmal zum “Verlorenes Fluggepäck“- Schalter. Aufgrund meiner Beschreibung wird er nach mehreren Telefonaten in Frankfurt ausfindig gemacht. Man versichert mir, dass er mir spätestens am nächsten Tag vor die Haustüre gebracht wird. Stimmt! Der Kurier übergibt ihn mir und ist auch schon wieder weg! Als ich ihn öffnen will, fällt mir sofort auf, dass irgendwas nicht so ist, wie’s sein soll! Die Banderole und der Adressanhänger fehlen, das Schloss wurde gewaltsam aufgebrochen und der Inhalt ist durchwühlt. Der Zoll kann’s nicht gewesen sein, denn der sperrt mit dem TSA-Schlüssel auf und legt, falls er was rausnimmt, einen Zettel rein (ist uns schon hin und wieder passiert). Es fehlte eigenartigerweise nichts. Hab sofort an die LH geschrieben. Jetzt hab ich einen kaputten Koffer und ein mords G’schiss mit Gutachten erstellen lassen.

Es ist Wahnsinn wie die Zeit rennt! Peter hatte am 1. April Halbzeit. Er ist ist nun schon seit 20 Monaten hier.

Was ihm manchmal schon sehr fehlt, sind die Fußballspiele in der Allianz Arena,

Fußballstadion im Sportpark in Panjin, Liaoning.
Fußballstadion im Sportpark in Panjin, Liaoning.

also hat er sich schlau gemacht, wo es hier welche zu sehen gibt. Noch vor kurzem wurden in Shenyang welche ausgetragen, aber wegen der schlechten Luft wurden sie nach Panjin (liegt am Meer südwestlich von Shenyang) ausgelagert. Nix wie auf nach Panjin! Mit einem weiteren sehr begeistertem Fußball Paar fahren wir also an einem Samstagmorgen hin. Was wir nicht wissen, dass es dort zwei Stadien gibt. Wir steuern natürlich zielsicher das Falsche an. Also wieder 30 km zurück! In der Zielgeraden wedeln uns einige Chinesen mit Eintrittskarten vor der Nase rum. Da wir nicht wissen, wie gut das Spiel besucht ist, kaufen wir 4 Karten für insgesamt 160¥, das sind pro Person ca 4.50€. Das sind Preise, gell! Der Parkplatz liegt gefühlte 3 km vom Stadion entfernt und wir kommen 20 Minuten zu spät (was mir nicht besonders viel ausmacht). Es ist nur vielleicht zu 30% ausgelastet, aber die Stimmung ist großartig! Es spielen Chinas schlechteste Mannschaften:

Chinese Super League: "Liaoning Whowin" gegen "Harbin Yiteng".
Chinese Super League: „Liaoning Whowin“ gegen „Harbin Yiteng“.

Shenyang gegen Harbin ,
aber egal!

Der Schlachtruf hört sich an wie bei uns: „Schiri du ….loch“ Wir grölen lautstark, begeistert mit, was die Chinesen um uns herum hellauf entzückt und wir von allen Seiten abgelichtet werden.

Annamirl Superfan mit Fanausrüstung.
Annamirl Superfan.

In der Halbzeit wollen wir Damen Trikots für unsere Söhne kaufen, können uns auch soweit verständigen, aber die gibts erst nach dem Spiel auf dem Weg zum Parkplatz. Wir werden gefragt, welcher Mannschaft wir angehören. Natürlich Shenyang! Und prompt bekommen wir von 2 Chinesen ihre Fan-Schals umgehängt.

Chinesische Fans unter sich.
Chinesische Fans unter sich.
Profifans in der Lieblingspose.
Profifans in der Lieblingspose.

Als wir zahlen wollen, reagieren sie empört, aber von einem gemeinsamen Foto mit uns Langnasen sind sie sehr erfreut. Wir gewinnen mit: 3:0

Auf dem Weg zum Auto finden wir dann auch noch die Fanartikel.

Fan mit chinesischer Vuvuzela.
Fan mit chinesischer Vuvuzela.

Unser Sohn ist jetzt Besitzer eines „Liaoning Whowin“ Trikots.

Ja und von Januar bis Anfang Juni ist hier Erdbeerzeit!
Man kann in riesigen, von der Sonne beheizten Gewächshäusern Erdbeeren pflücken.

Gewächshaus bei Shenyang.
Gewächshaus bei Shenyang.

In jedem befindet sich ein Bienenstock, damit das Bestäuben gewährleistet ist. Bei einer Außentemperatur (im Jan./Feb. -20°) kommst du dir vor wie bei uns im Frühsommer auf einem Erdbeerfeld.

Peter will mir pflücken helfen, aber der Bauer nimmt ihm die Schale aus der Hand und bedeutet ihm, dass das Weiberarbeit sei und er doch mit ihm eine Zigarette rauchen soll. Also hab ich mir alleine für fünf Kilo Erdbeeren den Buckel krumm gemacht.

Fleißiges Pflücken und Essen von Erdbeeren.
Fleißiges Pflücken und Essen von Erdbeeren.

Als ich zum 2. Mal mit 2 Expatdamen komme, ist der Bauer so glücklich, dass er mich mit einem Kilo Hühnereiern (Eier kauft man hier nicht Stück-, sondern kiloweise) beschenkt. Beim dritten Mal mit Hühner- und Gänseeiern.

Pflücker und Bauern nach getaner Arbeit.
Pflücker und Bauern nach getaner Arbeit.

Beim vierten Mal hat er für uns seinen Garten abgeerntet und Fotos von uns mit seiner Familie gemacht und diese in ganz China rum gepostet!

Und dann war da noch das Erlebnis mit der Polizei:
Immer wenn ich vom Ikea Parkplatz auf die 8 spurige Hauptstraße raus fahre (wie auch die Chinesen – natürlich verkehrswidrig), über zwei durchgezogene gelbe Streifen nach links abbiegen will, steht plötzlich ein kleiner Chinese mit Polizeikappe und Polizeiweste vor meinem Auto. Er will, dass ich das Fenster öffne, sieht eine Rothaarige und eine Blondine und sagt (wahrscheinlich, die einzigen 2 Worte, die er auf englisch kann): „Follow me!“ Er hält vier Spuren Gegenverkehr an und ich muss auf den gegenüberliegenden Gehsteig fahren. Er lässt mich aussteigen und verlangt Fahrzeugpapiere und Führerschein. Dann redet er auf Chinesisch auf mich ein. In Zeichensprache versucht er mir klar zu machen, ob ich die zwei durchgezogenen Linien nicht gesehen hätte? Die zu überqueren ist streng verboten. Ich antworte ihm mit Unschuldsmiene, ebenfalls in Zeichensprache , dass ich die Linien zwar gesehen hätte, aber vor mir 3 Chinesen auch drüber gefahren wären! Dann sag ich noch so lieblich, als hätte ich Kreide gefressen : „Tim bu dong“ was soviel heißt wie: „Ich verstehe Sie nicht“. Ich setzt noch eins drauf und füge sehr bemüht in meinem allerschlechtesten Chinesisch hinzu, (da muss ich mich allerdings nicht besonders anstrengen): „Wo bu shuo hanyü!“ Heißt: „Ich spreche kein Chinesisch“. Der kleine Polizist verdreht die Augen und holt seinen Kollegen, der grad im Polizeiauto einen Mittagsschlaf hält. Ich wiederhole nochmal ganz langsam: „Wo bu shuo hanyü!“ woraufhin beide entnervt mit den Augen rollen. Man sieht ihnen genau an, dass sie sich mit uns jetzt  keine Arbeit antun wollen. Er händigt mir die Papiere aus und mit einem chinesischen: „Schleicht’s eich!!“ werden wir von dannen geschickt.
Meine Beifahrerin hat sich bei Ihrem Chauffeur erkundigt, was das im Fall einer Anzeige gekostet hätte: 2 Punkte und 200¥ (=24€). Nochmal Glück gehabt!

Meine größte Peinlichkeit will ich euch auch nicht vorenthalten: Ich steh im chinesischen Bauernmarkt, wo wirklich nur Chinesen einkaufen und kein Wort englisch oder sonst was gesprochen wird, am Obststand. In dem Moment als ich dran komme drängelt sich ein Chinese vor mich und will bestellen. Ich sag mit meinem allerfreundlichsten Lächeln und meiner süßesten Stimme: „Mogst di vielleicht hint ostell’n du Trampe?!“ Sofort stellt er sich hinter mich, schaut mich an und fragt: „Sprechen Sie Deutsch?“ Hmpf – schluck – Schock – Schnappatmung – roter Kopf – Pause – wo ist das nächste Mauseloch! Dann ein verlegenes: „Jjja?“ Wahrscheinlich hat er „Trampe“ nicht verstanden, das ist schon ein sehr spezieller Ausdruck.
„Machen sie Urlaub in Shenyang?“
„Nein, wir leben für 3 Jahre hier.“
„Ohohoho, das ist schön! Was arbeiten Sie?“
„Gar nichts, aber mein Mann arbeitet bei Bauma (=BMW). Warum sprechen Sie deutsch?“ Ein noch blöderer Satz ist mir in diesem Moment nicht eingefallen!
„Ich habe 4 Jahre in Nürnberg gearbeitet!“
Wir haben uns aufs Höflichste verabschiedet und ich hab mir vorgenommen, in Zukunft vorsichtiger zu sein.

Vorsichtiger deshalb: Chinesen sind ja von Haus aus sehr neugierig. Wenn ich im Supermarkt einkaufe, ist mir schon des öfteren Folgendes passiert: Ich stehe kurz irgendwo an, komm zu meine Einkaufswagen zurück und eine Chinesin wühlt in meinen Sachen rum. Wenn sie mich sieht, ist ihr das keineswegs peinlich. Im Gegenteil: sie lacht, zeigt mit dem Daumen nach oben und sagt: „Hen hao!“ (sehr gut)! Ich lach dann auch und erwidere sehr freundlich: „G’foid dir des, was i eikauft hob, du neigierigs Luada!“
Woraufhin sie kichert, weil sie meint, ich hab was besonders nettes gesagt.
Das mein ich mit: Vorsichtiger sein.

Kulturschock II war ebenfalls ein Knaller! Wieder ausverkauft! Leider ließen Beleuchtung und Technik zu wünschen übrig! Meinen Anteil hab ich diesmal dem Waisenhaus gespendet.
Nach einer Idee von Anette Dippold hab ich ein Lied über Shenyang geschrieben.
Ihr findet es hier auf meiner Homepage, oder auf Youtube: „Es muss Shenyang sein“[embedyt]http://www.youtube.com/watch?v=_lGcFIjOI_0[/embedyt].

Maibockfest im Paulaner (Kempinski) ohne Kommentar: Der gelbe Chinese hat mich den ganzen Abend verfolgt, was Peter sehr amüsiert hat, denn er blieb von diversen Tänzen verschont!

Tänzchen beim Maibockfest im Paulaner.
Tänzchen beim Maibockfest 2014 im Paulaner.
Annamirl und Micha beim Maibockfest 2014.
Annamirl und Micha beim Maibockfest 2014.
Feierbiest.
Feierbiest.

Wir hatten bei uns im Wohnzimmer am Pfingstsonntag einen Gottesdienst mit unserem Pfarrer Bauer. Das ist jedes mal ein Stück Heimat und sehr familiär.

Letzte Woche waren Peter und ich auf eine chinesische Hochzeit eingeladen. Das war ein Erlebnis!

Simona mit Mr. Guo.
Simona mit Mr. Guo.

Das wird aber eine „extra Lage“ in Bälde!

它很好, und frohe Grüße aus China
von Ihrer / Eurer
Annamirl

Herr und Frau Spies.
Herr und Frau Spies.

Lage VI oder: Das 2. Jahr hat begonnen.

Hochverehrtes Publikum, liebe Freunde,

es gibt wieder einiges zu erzählen.
Während meines letzten Aufenthalts in München (im Dezember) erreichte mich die frohe Kunde, dass ich bei Lufthansa ab sofort „Frequent Traveller“ (Vielflieger) bin und die dazu gehörende „Silberne Karte“ erhalte. Das heißt: Wenn ich Holzklasse fliege, kann ich am Business-Schalter einchecken, in die Business Lounge gehen und – das Allerbeste – ich kann 2 Koffer mit einem Gesamtgewicht von 46 (in Worten SECHSUNDVIERZIG) kg mitnehmen. Beseelt von dieser frohen Botschaft, kauf‘ ich sofort bei Aldi eine ganze Serano-Schinkenkeule, die allein schon über 10 kg wiegt.
Ich packe den großen Koffer, mit dem ich gekommen bin und einen kleinen, den ich im Speicher finde. Das Gesamtgewicht stimmt bis aufs Gramm. Johanna fährt Bernhard und mich zum Flughafen und wir checken ein. Der große Koffer wiegt 29 kg (schwerer als 32kg darf wegen der Bandscheiben der Gepäckträger kein Koffer sein), der kleine 17 kg.
Die freundliche Dame am Check in meint:
„Tut mir leid, aber die beiden Koffer müssen gleich schwer sein! Packen Sie bitte um!“
„NEIIIN!!“ Nicht schon wieder, diesmal gleich 2 Koffer. Es ist der 20.12. und der Flughafen ist gut ausgelastet. Ich suche mir mit den Kindern ein halbwegs ruhiges Plätzchen und pack‘ wieder mal um.
Die schlaumeierische Bemerkung meines klugen Sohnes: „Mama, i hab’s dir glei g’sagt!“ – fehlt mir grad noch. Nachdem der Schinken etwas sperrig ist, bleibt eine Kilo-Packung Lebkuchen übrig. Die nimmt Johanna wieder mit.
Soweit so gut – jetzt passt’s!
Nachdem ich gehört habe, dass man als Frequent Traveller unter günstigen Umständen ein Upgrade in die Business Class machen kann, haben wir in Frankfurt am Lufthansa Schalter nachgefragt:
„Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht für Sie!“ sagt der nette Herr am Schalter.
„Die gute zuerst: Die Maschine ist überbucht und ihre Mutter ist schon upgegradet – sie nicht!“
„Kein Problem, ich kann auch hinten sitzen.“ sagt Bernhard.
„Moooment! Lassen Sie mich kurz telefonieren, mal sehen, was ich für Sie tun kann.“
Er ruft eine Kollegin an: „Ich habe hier Mutter und Sohn für den Flug nach Shenyang am Schalter stehen. Die Mutter ist bereits upgegradet und der Sohn würde gerne neben seiner Mutter sitzen.“
Dass der Sohn 31 Jahre alt ist, sagt er nicht. Die Kollegin macht den Platz neben mir (wie auch immer) frei und Mutter und Sohn fliegen beide für 0,00€ Aufschlag in der Business-Class nach China! Ein Traum! Vorher kaufen wir im Duty Free noch einen Schokoladen Nikolaus für den netten Herrn am Schalter.
Heilig Abend feierten wir zu dritt. Wie daheim mit Schweinswürstl’n und Brezen!
Am ersten Weihnachtsfeiertag gab’s Pekingente im Wirtshaus um die Ecke!
Von 27. Dezember bis 4. Januar haben wir uns nach Chiang Mai, in den Norden Thailands abgesetzt und wunderbare, sonnige Tage verbracht.
Unsere Ausflüge waren großartig.

Panda im Zoo von Chiang Mai
Pandabär im Zoo von Chiang Mai

Der nette Guide, der uns immer chauffierte, sprach fließend englisch und wusste viel über sein Land zu erzählen.

Hier gibt es einige Elefantenparks. Die ehemaligen Waldarbeitselefanten müssen heutzutage Touristen bespaßen. Was uns am meisten überrascht hat war, dass Elefanten malen können. Drei haben Bilder gemalt.

Elefant beim Malen
Künstler bei der Arbeit
Gemälde der Elefanten
Bilder von Elefanten gemalt

Aber nicht irgendwas, das aussieht wie moderne Kunst, sondern richtig gegenständlich, zwei Bäume und einen Elefanten.
Wenn wir es nicht selbst gesehen hätten, würden wir es nicht glauben! Das Bild von „Charlie“, so hieß der Elefant, haben wir gekauft und rahmen lassen.
Der Ausritt auf Elefantenrücken war sehr abenteuerlich!

Elefantenreiten
Famile Spies beim Ausritt

Am 31. Dezember war ganz Thailand unterwegs und die Straßen so voll, dass wir keinen Ausflug mit dem Auto unternahmen. Bernhard und ich buchten einen ganztägigen „Thai Cooking Course“. Mit uns kochten vier junge Engländer – war sehr, sehr lustig.

Kochkurs in Chiang Mai
die Thai Köche und ihre Lehrerin

Ich hab jetzt ein „Thai Cooking Certificate“ in der Küche hängen, auf das ich ganz stolz bin!
Silvesterabend war auf dem Hotelgelände Showtime und um Mitternacht gingen dann wirklich tausende von „Wunschlaternen“ auf „Himmelsreise“. Man schreibt seine Wünsche und Gedanken drauf und lässt sie wie einen kleinen Heißluftballon steigen. Sah aus wie ein Nachthimmel voller Glühwürmchen.

3 Strahlemänner
Silvesterparty im Hotel Chiang Mai Plazza
Annamirl  kurz vor dem Loslassen
Guten Flug
unser Himmelsballon
unsere Wünsche gehen auf die Reise

Ja – und meinen ersten Strafzettel habe ich auch bekommen: Wegen Falschparkens! Selbiger wird dir mit Superkleber an das Fahrerseitenfenster betoniert, damit jeder sieht: „Das ist ein Verkehrssünder!“ Und du brauchst schon einen sehr guten Etikettenentferner, um das Ding wieder weg zu spachteln!

Strafzettel
Falschparker erwischt!

Du bekommst auch keinen Strafbescheid per Post, wie bei uns. Nein – du musst mit Kennzeichen- und Fahrgestellnummer deines Autos selber im Internet nachsehen, ob ein Vergehen eingetragen ist. Das muss man von Zeit zu Zeit ohnehin, um zu kontrollieren, ob man beim Zuschnell-Fahren erwischt wurde, die Ampel schon auf Rot war usw. Wenn man einen Eintrag länger als ein halbes Jahr stehen lässt, ist der Lappen weg! Du musst dich praktisch rechtzeitig selbst anzeigen.
Dann gehst du nicht zu irgendeiner Polizeidienststelle – nein du musst zur „Traffic Police“, deren Dienststelle du erst zu erfragen hast, und die die wenigsten kennen. Hier wird dir dann ein Bescheid und ein Einzahlungsschein für die Bank ausgestellt. Mit diesem gehst du nicht zu irgendeiner Bank. Nein – zu einer ganz bestimmten, wo du dann endlich deine Strafe bar (100 RMB = ca 12 €) bezahlen kannst. Nachdem das alles aufwändig ist, man ewig in der Schlange steht, und du mindesten einen halben Tag unterwegs bist, überlegst du dir das nächste mal, ob du nochmal falsch parkst. Ich tu’s nicht mehr!!! Vielleicht.
Über den Besuch von Christa und Wiggerl Hagn im November haben wir uns sehr gefreut! Ich hab sie vom neuen Flughafen, der noch an der ein oder anderen Stelle im Bau ist, abgeholt. Die Einfahrt zur Tiefgarage war zwar fertig, aber noch gesperrt und der alte Parkplatz 2 km entfernt. Nach ca. einer Stunde Flughafen-Umrundung zwecks Parkplatzsuche wurde es mir dann zu blöd, und ich hab mich direkt vor dem Aus- und Eingang ins absolute Halteverbot gestellt (soviel zu: nie wieder falsch parken). Sofort waren 2 Polizisten zur Stelle und bedeuteten mir, dass ich da nicht stehen bleiben könne. Ich hab auf englisch angefangen zu argumentieren, was sie jedoch nicht verstanden haben. Ein der englischen Sprache mächtiger Chinese hörte das und eilte mir sofort zu Hilfe. Neugierig sind sie ja ohne Ende, die Chinäs’n! Ich ließ ihn übersetzen, dass die Tiefgarage noch nicht geöffnet habe und der Parkplatz zu weit entfernt sei. Ich würde nämlich „2 very old people“ abholen, „ they cannot walk this distance!“ Das haben sie eingesehen und den Chinesen übersetzen lassen, dass sie mein Auto bewachen würden, damit ich von anderen Kollegen keinen Strafzettel bekäme. So konnte ich ganz entspannt die Hagns abholen, während mein Auto unter Polizeischutz im absoluten Halteverbot stand! Die beiden haben sich dann auch redlich bemüht einen schleppenden Gang hinzubekommen und die Polizisten haben uns überaus freundlich verabschiedet! Wiggerl mit seinem markanten Bart war ohnehin ein beliebtes Fotomotiv.

Wiggerl, Mönch, ich, Christa
unsere Besucher Christa und Wiggerl

Wir hatten 4 sehr schöne gemeinsame Tage und ich konnte endlich „mein Shenyang“ herzeigen!

Wiggerl Hagn und mein Shenyang
Wiggerl und eine Shenyangerin

Seit 30. 01.2014 wird hier „Chinese New Year – das Jahr des Pferdes“ gefeiert. Tage vorher werden an fast jeder Ecke Buden aufgebaut, wo Feuerwerkskörper verkauft werden.

Feuerwerksbude
Feuerwerksbude
Silvester am 30. Januar 2014 in Shenyang
Feuerwerk
Feuerwerk
Pyrotechnik in der Qingnian Straße

Richtige Kracher! Nicht so kleine Raketen wie bei uns! Ein Traum für Pyromanen! Eine Woche Dauerfeuerwerken!
Der 30.01. hier ist mit unserem Silvester zu vergleichen. Am Straßenrand wird spezielles Papier für die Verstorbenen verbrannt. Es symbolisiert Geldscheine, damit die Verwandten im Jenseits nicht mittellos dastehen.

Chinese New Year Geld
Geld zum Verbrennen für die Verstorbenen
Geldscheine für Angehörige im Jenseits verbrennen
Geldscheinverbrennung

An diesem Tag werden traditionsgemäß „Jiǎozi“, auch „Dumplings“ genannt (kennt man bei uns als Dim Sum, oder Maultaschen), gegessen. Unsere Ai (Haushaltshilfe) hat uns welche gemacht – waren hervorragend.
Alle Glücksbringer, die irgendwo rumhängen werden erneuert, weil das Glück nach einem Jahr aufgebraucht ist. Ein sehr einträgliches Geschäftsmodell. Die meisten Läden sind für 3 Tage geschlossen und fast alle Chinesen haben eine Woche frei. Die Expats nutzen diese Zeit, um Urlaub zu machen. Wir bleiben hier. Denn nur wenn im Werk nichts los ist können die IT-Systeme aktualisiert werden. Und das ist Peter’s Job.

Zweimal kurz hintereinander so komplett verschiedene Jahreswechsel mitzumachen ist schon ein Erlebnis.
Der Winter war und ist erstaunlich mild. Es hat kaum geschneit und die Temperaturen bewegen sich nur zwischen -12° und -3°Grad. Das Schöne ist, dass fast immer die Sonne scheint. Die Luft ist bis auf wenige Ausnahmen meistens ganz gut. Die Nordpol-Ausrüstung vom letzten Jahr ist bis jetzt im Schrank geblieben!
Der Winter in Deutschland lässt ja ganz schön auf sich warten!? Wir sind hier dank „unserer“ Tagesschau, „meinem“ Münchner Merkur und „seiner“ Süddeutschen, immer auf dem neuesten Kenntnisstand!
Ach ja – hätt‘ ich beinahe vergessen! „Kulturschock II – ein Bayrischer Abend“, ist in Vorbereitung! Am 07. März is‘ es soweit!

新的一年 xin nían kuàilè! Ein glückliches Neues Jahr!

它很好, und frohe Grüße aus China
von Ihrer / Eurer
Annamirl

Viele Grüße

Lagebericht V oder: Der Bayerische Abend und wie alles begann

Hochverehrtes Publikum, liebe Freunde,

seit Ende Juli sind wir in unserer neuen Wohnung und fühlen uns sehr wohl.
Noch ein paar Sätze zum Umzug. Am 28. 7. standen die Packer der vor der Tür! Eigentlich dachten wir, dass wir  bisschen Zeug mit unseren Autos von hier nach da bringen könnten! Hahahaha!!!! Wir konnten’s kaum glauben!
Unser Kleinkram ist von 10 Luftfrachtkisten auf 75 (in Worten: FÜNFUNDSIEBZIG) Umzugskartons (aber winzig kleine) + 6 Kleinmöbel + 10 Orchideen angewachsen.
Der Laster war voll!!
Jetzt ging’s an’s Auspacken. Unsere „Haushaltshilfe“ freute sich riesig über die Kartonagen und den ganzen Verpackungs-Müll und hat gleich geschäftig und lautstark rumtelefoniert. Kartons, Kunststoffe und Alu werden nämlich gesammelt und an die Wertstoffhöfe verkauft. Chinesen haben ein sehr feines, gut funktionierendes Netzwerk! Jeder kennt einen, der für irgendwas zuständig ist, der kennt wieder einen, der andere Beziehungen hat, der kennt wieder jemanden usw…… Tatsächlich waren in wenigen Minuten 2 „Netzwerk-Freunde“ da und haben das ganze Glump abgeholt und wir waren froh, dass es so schnell ging!

Den ganzen August verbrachte ich in Deutschland

Am 4. September war ich wieder auf dem Weg nach Shenyang! Mietwagen abgeben – easy!

Aber irgendwas muss mir ja passieren! Die Flugzeiten hab ich im Griff – am Gepäck muss ich noch arbeiten!
Ich muss vorausschicken, dass in der Holzklasse der Koffer nur 23kg wiegen darf – alles zwischen 23 und 32 kg kostet eine Pauschale von 100€!
Nachdem ich letztes mal schon 100€ für Übergewicht (von meinem Gepäck natürlich) bezahlt habe, wollte ich es diesmal ganz schlau machen!
Auf der Personenwaage zu Hause wog mein Koffer 24kg. Naja, die 2 kg werden sie mir schon durchgehen lasse. Alle schweren Sachen, wie Bücher, Zeitschriften und Schuhe hab ich im Handgepäck verstaut.
Beim Einchecken  wiegt der Koffer plötzlich 25,9kg (Hilfe! D.h. ich wieg auch 2 kg mehr, als angenommen!).
„Sie haben Übergewicht!“
„Ja, seit 20 Jahren!“ das hätte ich vielleicht nicht sagen sollen, denn jetzt nahm es die Dame  am Schalter sehr genau!
„Ich meine ihren Koffer! Packen sie etwas davon ins Handgepäck, aber legen Sie es bitte zuvor noch auf die Waage, es darf 8kg wiegen!“
Sch……, meins wog 19 kg!
Auf die Tatsache, dass ich in China lebe und für mich 23+8kg einfach zu wenig sind, ging sie gar nicht ein.
„Was kann ich tun?“
„Haben sie noch Platz in ihrem Koffer?“
„Ja,“.
„Packen sie vom Handgepäck was rein! 100€ müssen sie sowieso zahlen!“
Zum Glück war ich zu diesem Zeitpunkt der einzige Passagier! Vom Boardcase in den Koffer heißt: alles umpacken! Unterwäsche, Käse, Kosmetik, Backmischungen, Salami – der ganze Plempel liegt gefühlte 5 qm rund um mich verstreut!
„Lassen sie sich ruhig Zeit! Außer ihnen ist niemand da!“
Ja Gottseidank!
Nach einer halben Ewigkeit wiegt der Koffer 31.9 kg, das Handgepäck 8 kg. Verbleiben immer noch 5 kg.
„Haben sie eine Handtasche?“
„Ja, meinen Rucksack!“ Den lässt sie als Handtasche durchgehen!
Ich stopfe die restlich 5 kg hinein – hoffentlich platzt er nicht – und – Hurra! – alles ist untergebracht!
Durchgeschwitzt und entnervt leg‘ ich im Duty Free noch schnell diverse Cremes und Düfte auf!

Der Platz neben mir in der Maschine bleibt frei und nach 2 Sekt, 2 Rotwein, einem Whisky und einer Schlaftablette, schlaf ich wie ein Baby!

Peter holt mich vom Flughafen ab und die Welt ist wieder in Ordnung!

…….und jetzt zurück zum bayerischen Abend und wie alles begann: Dazu muss ich ein bisschen weiter ausholen.

Am Tag meiner Abreise nach China am 11. Dezember 2012 erschien ein Interview von Peter T. Schmidt mit mir im Münchner Merkur.

Während meines unfreiwilligen Aufenthaltes am Frankfurter Flughafen (siehe Bericht: Angekommen) erhielt ich eine Mail von Hartmut Schaller, der mein Interview online gelesen hatte und mich in Shenyang auf’s Herzlichste begrüßte. Er schrieb, er sei General Manager von Sofitel-Shenyang-Lido-Hotel und würde sich freuen, mich und meine Mann zum Essen einladen zu dürfen. So weit so gut.

Andere Baustelle: Am 23. Dezember waren Peter und ich zu einem Hausgottesdienst (auch das gibt’s hier) eingeladen. Pfarrer Bauer, (gebürtiger Kölner) ist in Peking, Shanghai und Shenyang für die katholischen Gemeinden zuständig.
Hier hat mich Reinhard Althammer angesprochen: „Du bist doch von der Couplet-AG! Ihr habt mal im Werk Regensburg gespielt, daher kenn ich dich. Lass uns was machen. Ich bin Logistiker und organisier alles!“

Die erste „Arbeitssitzung“ war im Januar. Reinhard meinte, er kenne da einen sehr guten Gitarrenspieler und einen Praktikanten, der Ziach spielen und Gstanzl singen könne. Die Ziach  bringt er bei seinem nächsten Heimflug mit. Jetzt stellte sich nur noch die Frage nach einem Saal. Jawoll…. ich kenne den General Manager vom Sofitel, den fragen wir. Hartmut Schaller war begeistert und wir legten den Termin auf Juni fest.

Als ich im Januar/Februar in München war, traf ich mich mit Erwin Bohlig, Gerti Schermer und Peter Schmidt beim Griechen und erzählte von unserem Vorhaben. Peter Schmidt fand das so witzig, dass er gleich eine Glosse im Münchner Merkur verfasste.
Wieder in Shenyang, war alles unter Dach und Fach. Reinhard hatte während meiner Abwesenheit Musiker organisiert:
Stephan Sütterlin aus Amberg (Gitarrist und Sänger), Daniel Marr, Praktikant (Ziachspieler und Gstanzlsänger) und Manuel Ruby (Pianist am Flügel). Hartmut Schaller stellte uns den großen Ballsaal zur Verfügung.  Ich hatte aus München Noten und Texte aller bayerischen Wirtshauslieder, die ich finden konnte mitgebracht und stellte ein Programm zusammen, in dem ich auch Nummern aus meinem Repertoire spielte.
So schloss sich dann der Kreis.Kabarett Kulturschock

Unsere bunt zusammen gewürfelte Truppe verstand sich auf Anhieb und hatte schon während der Proben eine Mordsgaudi! Unsere Stimmen harmonierten, dass es eine Freude war!
Wir waren zuversichtlich, dass das Ganze recht lustig werden könnte. Reinhard hat die Moderation übernommen und Elfi Angerer die Werbetrommel gerührt!

„Dem Programm fehlte noch ein fetziger Titel. ‚Bayerischer Abend‘ hört sich gar so brav an!“
Reinhard’s Frau Astrid hatte die zündende Idee: „Wie wär’s mit: Kulturschock?“.
„Genau! Das isses!“

Dann war er plötzlich da, Sonntag, der 16. Juni! Wer mich kennt, weiß, dass ich immer leicht bis mittelschwer nervös bin! Dieser Abend hat alles Vergangene in den Schatten gestellt!
Nach diesem Abend sind wir bei den Expats bekannt wie bunte Hunde! Was, wenn die Zuschauer sagen: „So ein Schmarrn!“ oder: „Da hab ich aber schon was anderes erwartet!“
Solche und ähnliche Gedanken gingen mir durch den Kopf! Ich war kurz vorm Herzkasperl. Stephan, Daniel und Manuel strahlte eine Ruhe aus, das war unglaublich!
„Was soll denn schon passieren, die sind doch froh, dass endlich mal was los ist!“
So war’s dann auch!

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Viele  kamen in Lederhose und Dirndl.

Passend zum Thema hat der österreichische Koch ein bayerisches Schmankerl-Buffett hingezaubert, das sich sehen lassen konnte. Dazu floss Weihenstephaner Bier!

Es war soo schee!! (mehr Bilder…)

Wir starteten mit’m: „s’boarische Bier“,  „Herz mit Kartoffeln“, „Kathi von Obergiasing“, das „Chinesische Couplet“ von der Liesl Karlstadt, Gstazln, usw.
Das endgültige Schlussmitsinglied war: „Wer a Geld hat!“
Kabarett KulturschockÜber 200 Besucher! Ein Volltreffer!

Den Reinerlös haben wir karitativen Organisationen gespendet.
Mein Anteil ging an ICS (International Club of Shenyang, da bin ich Mitglied).
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Diese Organisation finanziert z.B. Augenoperationen an Kindern mit, oder kauft Spiel- bzw. Schulsachen für ein Waisenhaus. Eine wirklich gute Sache! Das war ein schönes Gefühl.

Die Nachfrage nach „Kulturschock! II“ ist groß!

Schau ma moi! Hab scho no was in der Hinterhand!

Das waren wieder mal Nachrichten aus dem Reich der Mitte!

Der Herbst ist traumhaft, aber wie ich gehört habe, geht’s mit dem „Winterwerden“ hier auch sehr schnell. Jetzt umgekehrt – vom Sommerbluserl in die Daunenjacke!

它很好, und frohe Grüße aus China

von Ihrer / Eurer

Annamirl

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Unsere neue Adresse:

Anna M. Spies
地址:中国辽宁省
沈阳市和平区长白二街
9-3号万科城
邮编:110166

Lage IV.

Hochverehrtes Publikum, liebe Freunde,

im Juli habe ich meinen Fuhrpark erweitert. Neben meinem Radl steht jetzt auch ein Auto in der Garage – nämlich ein BMW 320i.

Das ist er - der Autoschlüssel!
Das ist er – mein Autoschlüssel!

Ich habe ihn mit  meinem Mann bei BBA im Werk abgeholt und bin dann gleich  ALLEINE!!!!! im größten Freitags-Berufsverkehr, 16 km quer durch die Stadt, nach Hause gefahren. Auf Drängeln und lautes Schimpfen hab ich mich schnell eingestellt und kann bereits mithalten. Ständiges, kräftiges Hupen hab ich auch schon drauf. Rechts abbiegen darf man hier (außer es gibt einen Pfeil an der Ampel) grundsätzlich immer ohne anzuhalten, auch wenn die Fußgänger grün haben. Die müssen warten! Autos haben immer Vorfahrt! Neulich hab ich aus alter Gewohnheit beim rechts Abbiegen angehalten, das hat die Chinesen ganz fürchterlich irritiert. Sie sind verunsichert stehen geblieben, haben erschreckt von ihren Handys aufgeschaut und konnten mit der ihnen fremden Situation gar nicht umgehen. Wahrscheinlich haben sie gedacht, wenn sie auf der Straße sind, geb ich Gas und fahr sie über’n Haufen!
Was auch sehr  gewöhnungsbedürftig ist, dass keiner die Spur hält!
In Shenyang gibt’s keine Fahrkultur.
Wir vermuten das kommt daher, dass es hier lange keine Autos gab und dann plötzlich in kürzester Zeit in der Stadt fast jeder eines hatte. So konnte sich der Verkehr nicht entwickeln. Jeder Chinese meint, er müsse der schnellste sein und seine Sache sei gerade die wichtigste der Welt! So erklärt sich auch die hier sonst übliche Drängelei. Ganz kann ich die chinesische Fahrweise immer noch nicht einschätzen, aber des wird scho no! Jetzt werden sie aufg’mischt und dürfen sich warm anziehen, die Chinäsn!
Hurra ich bin unabhängig und in alle Richtungen mobil!

Dann war ich auch noch gut mit unserem Umzug beschäftigt!. Weil’s in unserer Wohnung schimmelte zogen wir am 28.7. nach Vanke (das ist ein Stadtteil auf der anderen Seite des Flusses) in eine neue, unmöblierte Wohnung. Erstbezug!

Das ist in unserem Schlafzimmer gewachsen:

Chinesische Schwammerl
Chinesische Schwammerl

Leider haben wir einen Abstieg vom 30. ins 19. Stockwerk gemacht, dafür haben wir einen kleinen Balkon!!

Blick aus unserer neuen Wohnung nach Süden
Blick aus unserer neuen Wohnung nach Süden

Möbelkauf ist in Shenyang gar nicht so einfach! Furniture City ist eine Straße nur mit Möbelhäusern, wo viele Einheimische kaufen. Das meiste hier ist Furnier- (wie der Name schon sagt) oder Plastik-Glump! Die exklusiven Möbel-Malls führen Luxus-Abteilungen, die nennen sich …

oder Abteilung: "Neuschwanstein"
oder Abteilung: „Neuschwanstein“
Sowas ist hier angesagt!
Sowas ist hier bei den reichen Chinesen angesagt!
.....dazu das passende Wohnzimmer
…..dazu das passende Wohnzimmer

Wenn man lange genug sucht, findet man jedoch auch etwas Vernünftiges!

Wer meinen Mann kennt, weiß, dass stundenlanges Rumlaufen in Möbelhäusern sein größtes Hobby ist. Nach 2 lächerlichen Stunden fängt er schon zu jammern an: „Ich kann keine Möbel mehr sehen!“ Oder: „Jetzt langt’s aber dann….“
Ich war viel unterwegs und hatte bereits eine Vorauswahl getroffen. Schließlich sind wir  fündig geworden! Eine Couch, italienisches Design, aber in China hergestellt. Farbe: weiß!! Hier sind wir ohne Kinder (entschuldigt bitte) und Hund, da bleibt sie voraussichtlich 3 Jahre weiß.

Bett und Nachttische sind aus Walnussholz, chinesisches Design. Lieferzeit 2 Monate – also – schliefen wir zur Überbrückung, wie in unserer Jugendzeit am Boden auf IKEA Matratzen.

Hier hat man übrigens, egal wie breit das Bett ist, immer nur eine Matratze und die ist (gefühlt) aus Beton. Das Bett, das wir hatten, war nur 1,60 m breit! Wenn sich einer umdreht, hebt’s den anderen in die Höh‘ oder man schnarcht sich direkt ins Ohr. Aus München sind wir 2 x 2 m gewöhnt. Hier gibt’s nur maximal 2 x 1,80 m Betten. Muss ich halt a bißl abnehmen!

Beim „Kinder“ bzw. Gästezimmer griffen wir auf das gute, alte IKEA zurück!

Sonntag Nachmittags geht man zum Mittagsschlaf zu IKEA
Sonntag Nachmittags geht man zum Mittagsschlaf zu IKEA

Ach ja, 5 Tage vor unserem Umzug hatten wir noch einen „Blackout“! Meine Mutter hat mich immer gewarnt: „Ihr seid’s im 30. Stock! Wenn da mal der Strom ausfällt!“
Dann war’s auf einmal soweit: Strom und Wasser wurden im ganzen Viertel von
00.00 Uhr – 18.00 Uhr, also für 18 Stunden abgeschaltet: D. h. kein Lift, keine Klimaanlage, keine elektrischen Geräte, kein Internet, kein Bad, keine Dusche, keine Toilettenspülung!!! – nix!
Da hätten’s doch in Gottes Namen noch eine Woche warten können, da wären wir schon in der neuen Wohnung gewesen!
Ich hab nur gedacht: „Hoffentlich hält die Gefriertruhe so lang durch!“
Mein Mann konnte zwar am morgen nicht joggen, dafür musste er die 30 Stockwerke (+3 Tiefgarage) runter laufen.

Für mich blieb eigentlich nur lesen oder stricken – wobei letzteres auch nicht einfach war, weil bei man bei 38° Hitze in der Wohnung so schwitzige Hände bekommt, dass die Wolle nicht mehr durch die Finger rutscht. Irgendwie hab ich den Tag schon rum gebracht.
Eines war von Anfang an klar: Wenn alle Ampeln außer Betrieb sind, geh (bzw fahr) ich nicht aus dem Haus! Der Verkehr ist mit Ampelschaltung schon schlimm genug!
Wir haben’s überstanden! Als mein Mann abends heim kam – befand er sich im 10. Stockwerk – als der Strom wieder eingeschaltet wurde. Die restlichen 20 konnte er den Lift wieder benutzen.

Jetzt mach ich mich an die Geschichte vom „Kulturschock!“, auf die der eine oder andere vermutlich schon wartet!

Soviel sei verraten:
War ein Volltreffer!

Demnächst mehr!

Noch was: seit geraumer Zeit hab ich Chinesisch Unterricht! Grausam – mehr sag i ned!!

Jetzt noch an Euch alle ein kräftiges gan bei (= Prost und heißt wörtlich übersetzt: Mach dein Glas trocken!). Die wichtigsten Wörter kann ich schon!

它很好, und frohe Grüße aus China

von Ihrer / Eurer

Annamirl

gan bei
gan bei